IG Metall setzt in Tarifstreit auf Kompromiss

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Prüm (Reuters) – Im Streit mit dem US-Elektroauto-Bauer Tesla um die Einführung eines Tarifvertrags beim Maschinenbauer Grohmann schlägt die IG Metall leisere Töne an.

„Unsere Forderungen sind legitim“, sagte Christian Schmitz, erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Trier, am Mittwoch am Unternehmenssitz im rheinland-pfälzischen Prüm. Das Vorgehen der Gewerkschaft sei in Deutschland rechtlich geschützt. „Wir sind selbstbewusst.“ Zugleich räumte Schmitz ein, dass Tesla mit dem Angebot für Einkommenserhöhungen und Boni für die Beschäftigten dem Streit die Spitze genommen hat. „Es ist doch nur ein kleiner Schritt notwendig, um hier vernünftig miteinander zu reden.“ Anfangs hatte die Gewerkschaft Tesla mit Streik gedroht.

Die IG Metall habe ihre Forderung dem Arbeitgeber überreicht, sagte Schmitz weiter. „Leider gab es bisher keine Zusage für Gespräche über einen Tarifvertrag.“ Tesla bietet den Grohmann-Beschäftigten 150 Euro im Monat mehr. Zudem sollen die Mitarbeiter Aktienoptionen im Wert von 10.000 Dollar erhalten, die über die nächsten vier Jahre ausgeschüttet werden, sowie einen sofortigen Bonus von 1000 Euro in bar. „Das würde die Differenz zum Tariflohn reduzieren.“ Aktuell liegen die Löhne bei Grohmann 25 bis 30 Prozent unter dem Tarifgehalt.

Für Verunsicherung bei den Arbeitnehmern sorgte, dass sich der bisherige Firmenchef Klaus Grohmann aus dem von ihm agegründeten Unternehmen zurückgezogen haben soll. „Im November wurde uns noch gesagt, es bleibe alles beim Alten. Ende März waren wir überrascht zu hören, dass er in Ruhestand geht“, sagte Betriebsratschef Uwe Herzig. Seitdem sei Grohmann nicht mehr in dem Unternehmen gesehen worden. Grohmann war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

TESLA BAUT AUF GROHMANN

Tesla hat den Anlagenbauer aus der Eifel übernommen und will es zu einem Zentrum für automatisierte Fertigung ausbauen. Grohmann entwickelt und vertreibt Anlagen für automatisierte Fertigung, die Tesla für den Wandel zu einem Massenhersteller dringend benötigt. Noch in diesem Jahr soll Verkauf des Mittelklassewagens Model 3 starten, die Produktion soll im Juli anlaufen.

Bei den Plänen von Milliardär Elon Musk für Teslas Aufstieg zu einem Volumenhersteller spielt das Model 3 eine zentrale Rolle. Für den Wagen, der in den USA zu einem Preis von 35.000 Dollar (32.000 Euro) auf den Markt kommen soll, liegen bereits rund 400.000 Vorbestellungen vor. 2018 peilt Tesla die Produktion von 500.000 Autos an, fünf Mal soviel wie zuletzt.

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